Überrundet die Sportartikelindustrie den Bekleidungssektor? | www.frankfurterfinance.de

Überrundet die Sportartikelindustrie den Bekleidungssektor?

Traditionell mit innovativen Produkten gegenüber der Bekleidungsbranche
positioniert

Die Bereiche Sportartikel und Bekleidungsartikel sind jüngst nicht
immer scharf zu trennen. Nachdem der Bekleidungsmarkt hart umkämpft
ist, scheint der Sportartikelbereich anscheinend auch für die Bekleidungsindustrie
interessant zu sein. Vor allem jüngere europäische Konsumenten
tragen Sportartikel vermehrt auch unabhängig von ihrer Freizeitgestaltung.
Diesen Trend haben auch die Bekleidungshersteller wie Gap oder Boss erkannt,
die die Entwicklung als entsprechenden Modetrend verstehen und aufgreifen.
Im Profi-Bereich und den ernsthaften Sportler können diese Art der Angebote
allerdings nicht locken, denn die Sportartikelhersteller lassen sich in Sachen
Material und Zweckdienlichkeit einiges einfallen und stecken viele Euro in
die Forschung und Entwicklung. Zu bedenken ist hierbei, dass der Ursprung
von Firmen der Sportartikelbranche in der Entwicklung neuartiger Produkte
liegt, die Sportler im Sinne eines "schneller, höher, weiter" unterstützen.
Die Gewichtung von Ästhetik und Design gegenüber Zweckdienlichkeit
war für die Sportartikelbranche bisher in der Regel eine andere als für
die Bekleidungsbranche. Und während die Bekleidungsindustrie hauptsächlich
vom Design lebt, machen Sportartikelhersteller mehr oder minder noch ganz
anderen Branchen Konkurrenz.

Um einen Eindruck von der Innovationskraft der Branche zu vermitteln,
nennen wir hier Beispiele:

  • Nike präsentiert seinen Wanderschuh Air Tumalo mit extrem leichten
    aber auch festen Sohlen,  der von Nike entwickelten Luftsohleneinheit
    und mit von außen wasserfestem, aber von innen dampfdurchlässigem
    Material.
  • Die Firma Adidas stellt seine neue Outdoorbrille vor, die mit Speziallinsen
    vor extremem Licht schützt und gleichzeitig gute Sicht gewährt
    und das Beschlagen der Brille durch Beschichtung und Ventilationssystem verhindert.
  • Die Firma Odlo Termic hat ein eine geruchshemmende Faser mit der Nutzung
    der antibaktierellen Wirkung von Silber entwickelt.

Langfristige Marktpotentiale vorhanden

Insbesondere Europa gilt als Wachstumsmarkt für Sportartikel. Dort
liegt der jährliche Marktumsatz bei 37 Mrd. Dollar, während er
in den USA 70 Mrd. beträgt. Gerade im Pro-Kopf-Verbrauch zeigt sich
das Potential. In Europa ist der Konsum pro Einwohner auf 100 Dollar jährlich
gestiegen und die Hersteller waren damit sehr zufrieden, denn in den USA
stagnierte der Markt auf hohem Niveau, mit 260 Dollar Verbrauch! Dass sich
anderswo in der Welt noch deutlich höhere Zuwachsraten von noch geringeren
Niveaus aus erzielen lassen, ist einsichtig. Sportartikel, wie sie normalerweise
verstanden werden, sind Freizeitartikel in einer wohlhabenden Gesellschaft.
In Asien zum Beispiel liegt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch für
Sportartikel erst bei 12 Dollar.

Gegenangriff im Bekleidungssektor mit eigenen Einzelhandelsketten

Für die Sportartikelbranche wird in Deutschland mit einem Plus von
3,3% für das Jahr 2002 gerechnet, zitiert focus.de einen Analysten
und für diese Hoffnungen werden allgemeine wirtschaftliche Gründe
wie Steuererleichterungen genannt. Die Zeitschrift "Sport und Mode - mit Sportartikel Wirtschaft"
hat den Sportfachhandel befragt und hat für den Januar einen Umsatzwachstum
zum Vorjahr von durchschnittlich 1,9% ermittelt. Der Januar zuvor hatte bereits
einen Umsatzwachstum von 4,8% ergeben. Dass es nicht allen gut geht, zeigt
die Bandbreite der Aussagen. Mit einem Umsatzrückgang von 25% haben
die Einen zu kämpfen, während die Anderen sich über ein Wachstum
von 40% freuen können. "Sport und Mode" berichtet über jüngste
Häufungen von Eröffnungen großflächiger Einzelhändelsgeschäfte.
Karstadt hat in Leipzig ein Sporthaus und richtet seine eigene Marke mehr
auf den Sportmarkt aus. Außerdem eröffneten weitere Einzelhändelsgeschäfte
im Bundesgebiet große Sporteinkaufsmöglichkeiten innerhalb von
nur wenigen Wochen. Für die Hersteller von Sportartikeln bedeutet dies,
dass sie sich, wie zuvor andere Konsumgüterhersteller, nun auch vermehrt
auf große Handelspartner einlassen müssen und ohne Gegenwehr sicherlich
an Macht gegenüber dem Einzelhandel verlieren werden. Dafür wird
man größere Mengen von Produkten am Massenmarkt absetzen können.


 

 

WKN Unternehmen
Marktkapitalisierung

in Mill. €
Land
866993
NIKE
11.739
USA
500340
ADIDAS-SALOMON
3.762
Deutschland
850531
BRUNSWICK
2.718
USA
870036
REEBOK INTERNATIONAL
1.810
USA
912855
COLUMBIA SPORTSWEAR
1.479
USA
941033
BILLABONG INTERNATIONAL
1.343
Australien
889374
GLOBAL SPORTS
770
USA
696960
PUMA AG
770
Deutschland
861252
RUSSELL
541
USA
923440
GART SPORTS
368
USA
903291
HIBBETT SPORTING GOODS
267
USA
923795
ESCALADE
154
USA
577203
HEAD N.V. AUSTR. 
145
Niederlande
866397
VITTORIA ASSICURAZIONI
126
Italien

Quelle: www.onvista.de, 28.03.2002

Größter Sportartikelhersteller ist mit Abstand Nike mit einer
Marktkapitalisierung von 11.739 Millionen Euro. Adidas ist das größte
Sportartikelunternehmen in Europa. Es gibt auffallend viele Aktienunternehmen
im Sportartikelbereich aus den USA. Deutschland ist mit Adidas und Puma vertreten.
Interessanterweise wurden die voneinander unabhängigen Firmen Adidas
und Puma von zwei Brüdern gegründet, Adi und Rudolph Dassler. Die
Aktienkursverläufe von Nike und Adidas entwickelten sich über die
letzten drei Jahre mit Vorteilen für Nike und haben inzwischen den Stand
vor drei Jahren errreicht bzw. fast erreicht. Anzumerken ist, dass Puma seit
einem Jahr eine rasante Kursentwicklung mit Verdreifachung des Kursniveaus
hingelegt hat (siehe Chart "Aktie im Fokus", unten)!! Nach Aussagen des Vorstandsvorsitzenden
von Puma war für das Umsatzwachstum von 30% im Jahr 2001 und die Gewinnverdoppelung
das Investitionsprogramm aus dem Jahr 1997 verantwortlich. Hierbei hatte Puma
sich als Sport-Lifestyle-Marke positioniert und neue Trends aufgegriffen.
Den zunehmenden Druck vom Einzelhandel durch immer größer werdende
Verhandlungspartner entgegnet Puma mit eigenen Puma-Fachgeschäften und
bewirbt gleichzeitig, ähnlich dem Konzept des italienischen Bekleidungsherstellers
Benetton, mit jedem neuen Einzelhandelsgeschäft seinen Namen. Die Strategie
der eigenen Fachgeschäfte verfolgt Puma weltweit.

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