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Vom 16.04.2007


BRANCHE

Investitionsoffensive mit MacKenzie-Gaspipeline in den Northwest Territories

Neue Investitionen der Öl- und Gasindustrie Kanadas

Die kanadische Ölindustrie reagiert auf die wachsende Nachfrage nach Öl mit einer Investitionsoffensive. Nach Expertenschätzungen könnte sich die Produktion von Öl aus Ölsand in zehn Jahren mehr als verdreifachen. Auch Öl aus konventionellen Lagerstätten trägt weiterhin maßgeblich zur Ölproduktion in Kanada bei. Ob mit Lizenzen für die oberflächlichen Ölreserven oder mit jenen für die Tiefe - mit wirtschaftlich abbaubaren Reserven von 174 Mrd. Barrel verfügt Kanada hinter Saudi-Arabien mit 262 Mrd. Barrel über die zweithöchsten Vorkommen weltweit. Die Erkundungsanstrengungen beschränken sich jedoch bei weitem nicht nur auf die kanadische Provinz Alberta. Die kanadischen Northwest Territories (NWT) sind mit der Planung der über 1000 Kilometer langen MacKenzie-Pipeline wieder im Aufwind. Der Chief Operating Officer Bill Tighe von Kodiak Energy z. B. stellt im Interview mit dem Frankfurter Finance Newsletter klar: "Der primäre Fokus bei Kodiak Energy liegt auf den Northwest Territories und vielleicht auch auf dem benachbarten Alberta. Dieses Gebiet liefert die besten Chancen für Kodiak Energy und die Aktionäre." Immerhin will Kodiak in drei bis vier Jahren eine Gasreserve von 4 Tcf (Billionen Cubic Feet) vorweisen, also mindestens fünf Prozent der kompletten heutigen und zukünftigen Gasreserven der Northwest Territories und Yukon zusammen genommen!

Rückläufige Produktion

2006 lieferten die Northwest Territories (NWT) jedoch insgesamt nur 279,8 Mio. Kubikmeter Gas oder 0,0099 tcf. 2001 waren es noch mehr als fünf Mal so viel. Über 80 % davon kamen damals aus Fort Liard, wo die Produktion auf Grund eines Wassereinbruchs inzwischen wieder eingestellt wurde. Auch die jährliche Ölproduktion bei Norman Wells, dem Ölzentrum der NWT, entwickelte sich seit 2001 mit ca. 12 Mio. Barrel kontinuierlich auf nur noch ca. 8,5 Millionen Barrel im Jahr 2006 zurück. Norman Wells ist mit 109,3 Mio. m³ Gas noch der größte Gasproduzent in den NWT, gefolgt von Cameron Hills mit 91,2 Mio. m³ Gas. Die zunächst erhebliche Gasproduktion von Pointed Mountain ist im Jahr 2001 endgültig eingestellt worden.

Erkundung größerer Reserven möglich

In einer Statistik vom 31.12. 2002 wird allerdings davon ausgegangen, dass 65 % des garantiert vermarktbaren kanadischen Gases überhaupt noch nicht entdeckt worden sind. Ähnliches gilt für die Ölreserven. In den Northwest Territories und in Yukon ist dieser unentdeckte Anteil bei Gas und Öl noch wesentlich höher. Dies erklärt sich auch durch ein Memorandum für die Exploration Northwest Territories. Jahrzehntelang wurden die Öl- und Gasaktivitäten im Norden Kanadas eingestellt. Ökologische Bedenken und die Rechte der Ureinwohner mussten geklärt werden. Das Memorandum wurde 1994 aufgehoben. Erst danach wurden wieder Öl- und Gasexplorationsrechte vergeben.

Infrastruktur mit Eisstraßen

Derzeit erschließen erst wenige unbefestigte Straßen noch nicht einmal 10 % der Provinz Northwest Territories. Die so genannten Eisstraßen werden in den Wintermonaten von Versorgungsfahrzeugen der Ölgesellschaften genutzt (amerikacenter.com). Im Gebiet von der Größe des indischen Subkontinents gibt es ganze drei Straßen, von denen zwei von dem aus Alberta heraufkommenden MacKenzie Highway weiterführen. Die dritte verläuft im äußersten Nordwesten.
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Arktisches Klima

Der Zugang zu den Bohrstellen im Sommer gelingt über den Flussweg. Im Winter können die Straßen genutzt werden wobei in der Zeit Temperaturen von bis zu -55 Grad Celsius keine Seltenheit sind. Die Kälte ist ein kalkulierbarer Faktor und für die Erkundung und die Produktion ein Umstand, der technisch zu bewerkstelligen ist. Nur in der Breakup-Periode von Ende April bis Anfang Juni ist es für manche Arbeiten zu nass. Dann ist zu warm, um auf Eis schweres Gerät zu tragen und zu kalt, als dass Flüsse passierbar wären. Im Sommer z. B. kann von Bohrmatten aus erkundet werden.
 
Gaspipeline MacKenzie in Planung

Die MacKenzie-Valley-Gaspipeline wurde zum ersten Mal Anfang der 70er Jahre vorgeschlagen. Sie sollte ursprünglich von der Beaufort Sea durch die kanadische Provinz Northwest Territories nach Nordalberta führen. Nachdem diese Idee jahrzehntelang ruhte, wurde sie vor wenigen Jahren wieder aufgegriffen, um Gas kostengünstig durch die sensible arktische Tundra zu transportieren. Heute soll die Gasleitung konkret vom MacKenzie-Delta über Fort Good Hope, Norman Wells, Wrigley und Fort Simpson nach Alberta verlaufen und dort nahtlos an die vorhandene Pipeline-Infrastruktur angebunden werden. Vorsichtige Schätzungen gehen von 67 Tcf Gasreserven in den Gebieten MacKenzie und Beaufort aus. Ein Konsortium an Betreiberfirmen, angeführt von Imperial Oil Ltd. und einer Organisation von Ureinwohnern, will die Genehmigung für dieses Projekt erreichen. Die Möglichkeitsstudie für die 1220 km lange Pipeline liegt bereits vor und man ist in der Vorbereitung der Errichtung. 2011 soll die Pipeline stehen, so die offiziellen Verlautbarungen. Die jüngsten Kostenangaben für dieses gigantische Projekt liegen bei 16 Mrd. CAD, mehr als doppelt so viel wie noch 2004. Ein Sprecher des Konsortiums erklärt, dass sich die Kosten für Off-Shore-Bohrgeräte sich vervielfachen. Dieses Beispiel deutet auch an, dass es Anzeichen gibt, Öl und Gas könnten noch bedeutend knapper werden als heute. Wenn es nur nach der Öl- und Gasbranche ginge, wäre die Pipeline schon längst fertig gestellt. Mit ihrer Errichtung wird die Erschließung der Gasproduktion in den NWT attraktiver. Die wirtschaftliche Bedeutung der Pipeline ist für ganz Kanada erheblich.