Artur Dela
Verwaltungsratspräsident
EnergyMixx
www.energymixx.ch
CH0030908856

 
 


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Vom 16.08.2007


INTERVIEW

EnergyMixx

Das in Deutschland notierte und aus der Schweiz heraus geführte Unternehmen EnergyMixx (CH0030908856, www.energymixx.ch) bündelt, wie wohl kaum ein anderes Unternehmen dieser Größe, die verschiedenen regenerativen Energieformen Biomasse, Sonne, Wind und Wasser. Verwaltungsratspräsident Artur Dela erläutert die enormen Wachstumspläne des Unternehmens im Interview mit dem Frankfurter Finance Newsletter. Das Interview führte Jürgen Felger für den Frankfurter Finance Newsletter.

BRANCHE

Herr Dela, In Ihrer Firmenpräsentation sprechen Sie die Green Certificates in Italien an. Was hat es mit denen auf sich?

In den meisten europäischen Ländern existieren die Green Certificates, um erneuerbare Energie zu fördern und die im Kyoto-Protokoll gemachten Versprechen zu erfüllen. Die einfache Idee dahinter ist, dass jeder Produzent von erneuerbarer Energie nicht nur Umsätze aus dem auf diese Weise erzeugten Strom erzielt, sondern auch durch die Green Certificates – finanziert durch umweltschädliche Energieproduktion und industriellen Verbrauch. Die Stromproduzenten finanzieren dieses System durch den Kauf dieser Certificates. In Italien hingegen regelt dies die Organisation GRTN. Das italienische Parlament verabschiedet zur Zeit ein Gesetz, dass einen Preis für erneuerbare Energie und die Green Certificates garantiert, und dies für einen für uns komfortablen Zeitraum von 15 Jahren. Stromerzeuger regenerativer Energien erhalten also für jedes erzeugte Megawatt sichere zusätzliche Einnahmen, die von der Art der verwendeten Technik abhängen.

"Stromerzeuger regenerativer Energien erhalten also für jedes erzeugte Megawatt sichere zusätzliche Einnahmen..."

Kaufen Sie die Kraftwerke regenerativer Energien? Oder bauen Sie diese selbst?

Wir planen Betriebe lieber selbst, als dass wir sie akquirieren. Die Branche der erneuerbaren Energien ist neu und außerhalb Deutschlands oder Spanien recht unterentwickelt. Die EU fordert zudem noch höhere Standards als das Kyoto-Protokoll. Wenn wir bestehende Kraftwerke kauften, würde dies die Energiebilanz nicht ändern. Unsere Mission ist es, Werte zu schaffen und die Produktion erneuerbarer Energie zu erhöhen. Gleichzeitig wollen wir Übernahmen existierender oder recht fortgeschrittener Kraftwerke nicht ausschließen. Dieser Anteil wird jedoch höchstens 20 % ausmachen.

Der unterentwickelte Grad regenerativer Energien in vielen Ländern würde erklären, warum Sie in Länder wie Italien oder nach Osteuropa gehen.

Wir begannen unsere Investitionen in Italien mit seiner sehr spezifischen Situation. Italien ist das einzige Land in der EU mit einem hohen Energiedefizit (bis zu 15%), weshalb Importe zwingend sind. Traditionellerweise aus der Schweiz und aus Osteuropa, weil dort eine gewisse Überkapazität vorhanden war. Vor geraumer Zeit herrschte in Osteuropa noch das günstige russische Öl vor. Heutzutage können die Länder dort nicht mehr von diesen Sonderkonditionen und dem Weiterverkauf profitieren. Damit muss auch Italien seine Energiebasis umstrukturieren, auch weil die meisten italienischen Kraftwerke auf Kohle basieren. Das wiederum schädigt die Umwelt und läuft dem Kyoto-Protokoll zuwider. Italien weist keine Atomkraftwerke aus und kann keine weiteren grossen Wasserkraftwerke mehr bauen. Deshalb gibt es dort als Anreiz für Investoren einen sehr ehrgeizigen Plan, die erneuerbaren Energien zu unterstützen. Für Windkraft, Sonnenenergie und Biomasse gibt es viel Potenzial dort. Deshalb haben wir uns zunächst für diesen Standort entschieden.

Der Grund, warum wir uns auf Osteuropa spezialisieren, liegt in der mehr oder minder starken Verbindung zu Italien. Albanien nimmt an dem Zertifikatesystem Italiens teil. Wir sind auch in Rumänien aktiv, weil es dort umweltpolitische Herausforderungen gibt und wir von den örtlichen Behörden zu Investitionen ermuntert werden. Wir stehen Investitionsmöglichkeiten in ganz Europa positiv gegenüber und beginnen in Italien, Albanien und Rumänien. Dazu liegen uns Angebote aus der Slowakei oder Polen sowie auch aus Deutschland vor. Für Italien jedoch sehen wir besonderen Bedarf.

UNTERNEHMEN

Wie ist der aktuelle Stand der Projekte? Handelt es sich bei Ihrer Pressemitteilung über Albanien z. B. um eine bloße Absichtserklärung oder steckt da mehr dahinter?

In unserer Bilanz weisen wir derzeit Umsätze lediglich aus Italien aus, nicht aber aus Albanien. Für unser Grundstück in Italien planen wir den Baubeginn mehrerer Windkraftanlagen, sobald die technischen Fragen geklärt und die Verträge finalisiert sind. Zudem haben wir mit dem Bau von Biomasse- und Solaranlagen bereits begonnen. Wir sind in Verhandlung mit mehreren Baufirmen und Lieferanten. Anfang Januar 2008 sollten wir erste Umsätze erzielen - unser Ziel ist ein Windkraftwerk jedes Quartal. Mit Landwirten haben wir Kooperationen für drei Biomass-Kraftwerke unterzeichnet, welche die Herbst bzw. über die nächsten zwei Jahre erstellt werden. Für die Biomasseanlagen nutzen wir landwirtschaftliche Abfälle u.a. aus der Schweinehaltung. Hier in Italien haben wir in neue stromgewinnende Techniken investiert, wie beispielsweise die Mikroalgen-Anlage.

"Zudem haben wir mit dem Bau von Biomasse- und Solaranlagen bereits begonnen. Wir sind in Verhandlung mit mehreren Baufirmen und Lieferanten."

Wie bitte? Mikroalgen?

Ja. Wir nutzen einen speziellen Mechanismus, für den wir über sechs Jahre Forschungsarbeit investiert haben. Es handelt sich um eine spezielle Art von Algen, die extrem schnell gedeiht. Diese Algen nutzen die Sonneneinstrahlung und produzieren Elektrizität, indem sie CO2 konsumieren. Wir planen den Bau mehrerer Anlagen über die nächsten Jahre mit zusätzlichen Kapazitäten von einem Megawatt pro Monat, dann eventuell sogar mehr. Damit werden wir unsere Umsätze auf monatlicher Basis erhöhen können. Wir erweitern unsere Kapazität ständig. So errichten wir diese Anlage im Moment und haben bereits die erste Ausrüstung hierfür bestellt. Diese Technik nutzt auch CO2 das Pflanzen absondern für die Stromgewinnung. Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstens wird grüne Energie produziert und zweitens gleichzeitig die CO2-Emissionen absorbiert. Durch die Erweiterbarkeit der Anlage und die große verfügbaren Gelände in Italien können wir auch unsere Umsätze schrittweise erhöhen. Dadurch eskalieren die projizierten Umsätze und Erträge in unserem Business Plan. Das heißt auch, dass wir graduell wachsen können und nicht eine große Investition auf einen Schlag tätigen müssen. Dies gilt für unsere Biomasse-, Solar- oder Windanlagen.

Sie sprechen Ihre Umsatzprojektion in Ihrem Business Plan an. Wo z. B. kann ich aussagekräftige Zahlen für Italien finden?

Ich kann Ihnen die Zahl zukommen lassen, die wir dem Markt mitgeteilt haben. Wir werden unsere Präsentation im September mit neuen Zahlen anreichern und die neuen Projekte berücksichtigen. Bisher sind das Albanien-Projekt (eine Windanlage von 178 Megawatt, wofür die erste und wichtigste Bewilligung erteilt wurde) sowie weitere Planungen aus Italien nicht in den Zahlen enthalten..

Das Albanienprojekt wird nach Ihren Angaben Ihrer Bilanz Auftrieb geben. Aber Sie erzielen in Italien auch schon Umsätze. Sind diese ersten Umsatzzahlen in der Zukunft ausbaufähig?

Ja genau. Wir weisen Umsätze für das nächste Jahr in der Sparte Wasser und Biomasse auf, für das kommende Jahr auch im Bereich Wind. Ende des nächsten Monats werden wir weitere Zahlen für die Biomasse- und Solaranlage vorweisen können. Auch neue Umsätze aus bestehenden Wasserkraftanlagen werden wir zeigen können.

Wie finanzieren Sie Ihre Investitionen? Über Ihre Muttergesellschaft?

Wir verfügen über eigene Quellen der Finanzierung. Wir finanzieren projektweise, weil wir zukünftige Umsätze erwerben. Die Profitabilität in Italien ist so hoch, dass wir eine erhebliche Fremdfinanzierung durchführen können. Seit drei Jahren erarbeiten wir eine Art Bondfinanzierung durch spezifische islamische Anleihen, genannt Sukuk. Mit dieser Hybridfinanzierung von Fremd- und Eigenkapital erhalten wir genügend Kapital. Bis Ende Oktober planen wir 50 Millionen Euro zu bekommen.

"Seit drei Jahren erarbeiten wir eine Art Bondfinanzierung durch spezifische islamische Anleihen, genannt Sukuk ... Bis Ende Oktober planen wir 50 Millionen Euro zu bekommen."

Wenn ich Sie recht verstehe, werden Sie im September mehr Informationen veröffentlichen können. Die eben genannte Höhe der Finanzierung und Ihr im Business Plan angepeiltes Wachstum erscheint sehr hoch.

Die Realität wird noch größer ausfallen. Die Branche weist eine immense Nachfrage auf. Allein die Solaranlagen werden 35 Mio. Euro pro Jahr an Erträgen einfahren. Mit Solarenergie, Wasserkraft und Biomasse können unseren Business Plan vielleicht sogar übertreffen und möglicherweise schneller als bis zum Jahr 2010 die 60 Mio. Euro Umsatz erreichen.

Wie schnell können Sie eine Anlage für erneuerbare Energie errichten? Vermutlich gibt es je nach Art der Energieerzeugung Unterschiede…

Normalerweise können wir pro Woche zwischen drei und sechs Megawatt Windenergie hinzufügen, ein Megawatt Solarenergie alle zwei Wochen und ein Megawatt Biomasse pro Monat. Wir benötigen die große Investitionssumme, weil wir diese Anlagen parallel errichten.

Ihr Wachstum wird also sehr rasant verlaufen. Ab wann werden Sie in Albanien in Produktion gehen können?

Die Anlage in Albanien benötigt mehr Vorbereitungszeit. Der Baubeginn sollte Mitte bis Ende nächsten Jahres erfolgen. In diesem Land gibt es noch keine derartig große Windfarm und auch für europäische Verhältnisse wird das eine grosse Anlage sein. Es besteht die Möglichkeit, ab Ende 2009/Anfang 2010 zu produzieren. 2008 werden wir Umsätze noch überwiegend aus Biomasse, Wasserkraft und Solarenergie generieren. Diese Anlagen lassen sich einfacher errichten, wobei wir im Bereich Wasser eher auf Akquisitionen setzen als auf den Bau grosser Anlagen.

Und wo werden diese Anlagen stehen, aus denen Sie 2008 Umsätze generieren werden?

Diese Biomasse-, Wind-, Wasserkraft- und Solarenergieanlagen werden in Puglia und Kampanien, in Süd-Italien, stehen. Unsere Tätigkeit begann ja dort. Fast vier Jahre lang haben wir an diesen Projekten gearbeitet.

Ist der aktuelle Stand in Albanien eine Absichtserklärung?

Nein. Wir haben ein Projekt in Albanien akquiriert, für das wir bereits eine erste Genehmigung erhalten haben. Weitere Genehmigungen sind notwendig. Und heute haben wir Zugang zu dem Unternehmen, das die Windkraftanlage bauen wird. Wir befinden uns aber immer noch in der Vorbereitungsphase.

Was wäre also Ihr nächster Schritt in Albanien?

Als nächstes wollen wir die abschließenden Genehmigungen erhalten, eine präzise Planung vornehmen und die Finanzierung strukturieren. Diese Finanzierung hängt von der Fähigkeit ab, guten Wind zu erhalten und für sich für die „Anreizprogramme“ zu qualifizieren. Da Albanien Teil des grünen Zertifikatesystems Italiens ist, glauben wir, dass unser Plan einfach durchzuführen ist. Dann werden wir speziell für Albanien Bonds ausgeben. Diese werden für Italien separat ausgegeben werden.

MANAGER

Unser Telefoninterview führen Sie von Italien aus. Sind Sie selbst auch Italiener?

Nein. Ich bin Franzose und lebe in der Schweiz. Vor vier Jahren habe ich in erneuerbare Energien investiert. Unser Unternehmen hat auch italienische Manager und lokale Entwickler eingestellt. Nicht alle davon finden Sie auf der Firmen-Web-Site vorgestellt.

Woher haben Sie Ihre Fachkenntnisse über erneuerbare Energien?

Ich habe mit dem ersten Windprojekt vor vier Jahren begonnen. Es war eine recht schwierige Arbeit, bei dir wir viel lernen konnten. Wir haben das Geschäft von Grund auf kennen gelernt. Mein beruflicher Hintergrund ist der Finanzbereich. Zuvor habe ich in Telekommunikationsunternehmen und Medien investiert. Dann war ich in Computerunternehmen involviert. Aber mehr und mehr faszinierte mich der Sektor der erneuerbaren Energien. Das ist für mich eine große Herausforderung, aber auch eine finanziell und intellektuell lohnende. Ich kann etwas Gutes tun und es ist ein neues Gebiet für Einsteiger. Es wurde in den vergangenen Jahren nicht genug in erneuerbare Energien investiert. Dänemark, Deutschland und Spanien waren die Vorreiter, wobei sich heute fast alle Länder dem Thema widmen. Italien hat erst kürzlich begonnen, sich intensiv mit dieser Energieform zu beschäftigen.