Vom 05.09.2007


BRANCHE

Guatemala – Herz aus Gold

Reich an Mineralien

Im Gegensatz zu vielen anderen süd- und mittelamerikanischen Ländern ist Guatemala, was Mineralförderung angeht, noch sehr unterentwickelt . Dies liegt vor allem am Bürgerkrieg, der jahrzehntelang den Aufbau einer ordentlichen Infrastruktur verzögert hat. Des Weiteren denken wir, dass durch Tropenstürme, monatelangem Starkregen und damit einhergehenden Schlammlawinen viel Geduld notwendig ist, um tiefe Löcher in die Erde graben zu können. Erst importierte ausgefeiltere Techniken ermöglichen es, das volle Potenzial des Landes auszuschöpfen . Vulkane und Erdbeben sind in der tektonisch sehr aktiven geographischen Zone keine Seltenheit, wobei die seismischen Aktivitäten mit ein Grund sind, weshalb das Land so reich an Mineralien ist.

Expansionsmöglichkeiten

Mit der Entwaffnung der Rebellenarmeen, der Aufstellung einer demokratischen Ordnung und der technischen Modernisierung begann Ende der neunziger Jahre eine Ära des Aufbaus im Nachbarland von Mexiko. Heute teilen sich einige große Minengesellschaften die auf mehrere Millionen Unzen geschätzten Goldvorräte des Landes . Noch immer kann allerdings von einer dünnen Besiedelung die Rede sein, was Expansionen der bereits ansässigen Unternehmen begünstigt. Unternehmenssprecher Jacob Friesen vom Golderkundungsunternehmen Goldex Resources schildert im Interview mit dem Frankfurter Finance Newsletter seinen Eindruck über die Entwicklung von Guatemala als Standort für die Golderkundung: "Ich war erst letzten Monat wieder im Land und habe von der dortigen Regierung und dem Ministerium erfahren, dass man nach der Wahl eine ähnliche Politik wie bisher erwartet. Alle Präsidentschaftskandidaten befürworten den Bergbau und wollen diesen Industriezweig wachsen sehen."

Neue Milliarden-Goldmine

Die guatemaltekische Regierung und die Repräsentanten der relevanten Parteien befürworten ausdrücklich den Aufbau der Bergbauindustrie und der Erkundung, da natürlich finanzielle Interessen in Milliardenhöhe auf dem Spiel stehen. Bei der Genehmigung der Mine Marlin, des Unternehmens Glamis Gold (GLG), gab es nicht nur Proteste und Blockaden. Fragen über die Sicherheitsstandards bei der Verwendung des hochgiftigen Stoffes Zyanid wurden aufgeworfen. Die Möglichkeitsstudie entsprach vielleicht nicht dem Niveau eines Projektes beispielsweise in den USA oder in Kanada. Da in manchen Ländern Lateinamerikas zeitweise eine doch vehemente Linkstendenz zu beobachten war, könnte sich einerseits die Missachtung von Protesten einfacher Leute unter Umständen als Spiel mit dem Feuer herausstellen. Andererseits könnte das Problem der Arbeitslosigkeit leicht zu einem Aufflammen der alten Bürgerkriegskonflikte führen – ein mögliches Problem, dass es um jeden Preis zu verhindern gilt. Die Mine Marlin begann die Produktion Ende 2005. Ende 2006 wurde Glamis Gold für über 21 Mrd. USD an Goldcorp verkauft.

Außenhandel von Landwirtschaftlich dominiert

Mit nur 15 % besitzt der offiziell ausgewiesene Export einen sehr geringen Anteil am Bruttoinlandsprodukt. Von diesen Exporten sind rund drei Viertel Exporte von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, typischerweise Südfrüchte, Kakao sowie Kaffee, der in den höher gelegenen, malerischen Regionen des Landes heranreift. Wichtigster Handelspartner für Guatemala sind, wie für viele andere lateinamerikanische Staaten, die USA, die rund ein Drittel aller Exporte abnimmt und von denen rund 40 % der Importe stammen. Seit der Demokratisierung 1996 wurden verschiedene Staatsbetriebe privatisiert.

Robustes Wirtschaftswachstum

Probleme hat das Land vor allen Dingen in der Ausgestaltung einer akademisch-kulturellen Landschaft sowie hoher Verbrechens-, Säuglingssterblichkeits- und Analphabetenraten. Eine Ungleichverteilung des Vermögens prägt das Landesbild. Damit einhergehend sind beschränkte Transport- und Kommunikationsmöglichkeiten, die jedoch nicht das robuste Wirtschaftswachstum von im Schnitt 5 % seit 2001 bremsen konnten. Insgesamt ist Guatemala vor allem wegen des schlechten Bildungsniveaus kein Vorzeigeland im Vergleich zu Nachbarländern wie Nicaragua oder Mexiko.

Goldproduktion im Aufwind

Trotzdem ist die Goldindustrie in Guatemala im Aufwind und wird dies voraussichtlich auch dank des Goldpreises  und der Rückendeckung  von Seiten der Regierung auch bleiben. Das Land verfügt über signifikante Bodenschätze, die sich noch im Anfangsstadium der Erschließung befinden. Das Potenzial und die Ausschöpfung stehen und fallen mit der politischen Stabilität, wobei die häufigen Naturkatastrophen wohl eher eine Nebenrolle spielen. Unserer Ansicht nach sollte der Bergbau in Guatemala auch in mittelbarer Zukunft das Wachstum weiter antreiben.